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2013-03-01 13.22.15

Wie schnell ist Schrittgeschwindigkeit?

Mein Kind läuft neben mir her. Drei von seinen Schritten sind einer von mir. Anders, wenn das Kind Hilfsmittel benutzt. Mit dem Laufrad ist es deutlich schneller als ich. Um den älteren Herrn zu überholen, müssen wir uns beide nicht sehr anstrengen. Schrittgeschwindigkeit ist also offenbar von Mensch zu Mensch verschieden. Welcher Maßstab gilt denn aber, wenn etwa in einem verkehrsberuhigten Bereich die Einhaltung von Schrittgeschwindigkeit vorgeschrieben ist?

Das blaue, in der Umgangssprache als “Spielstraßenschild” bekannte Verkehrszeichen Nr. 325.1 hat sicher jeder schon einmal gesehen. Hier sind Fahrzeugführer in besonderem Maße zur Rücksichtnahme verpflichtet, insbesondere dürfen sie nicht schneller als Schrittgeschwindigkeit fahren. Mit Fahrzeugführer sind allerdings nicht nur diejenigen gemeint, die motorisiert unterwegs sind. Auch Radfahrer müssen sich an die Regelung halten. Eine Definition oder zahlenmäßige Festlegung der Schrittgeschwindigkeit gibt es leider nicht. Es ist deshalb den Gerichten überlassen, sie zu bestimmen. Dabei legen sie ganz unterschiedliche Maßstäbe an.

Maßstab: Durchschnittlicher Fußgänger

Ein durchschnittlicher, gesunder Erwachsener legt zu Fuß etwa 4 bis 7 km in der Stunde zurück. Dies gilt etwa dem OLG Brandenburg (Beschluss vom 23.05.2005 – 1 Ss (OWi) 86 B/05) als Richtwert.

Maßstab: Durchschnittlicher Radfahrer

Nun gilt die genannte Regel auch für Radfahrer, weshalb die Ansicht vertreten wird, bei der Bemessung müsse berücksichtigt werden, wie langsam ein Radfahrer fahren kann, ohne aus dem Gleichgewicht zu geraten. So argumentiert etwas das Amtsgericht Leipzig (Urteil vom 16.02.2005 – 215 OWi 500 Js 83213/04):

Auch würden zum Beispiel Radfahrer, die Fußgängergeschwindigkeit fahren, unsicher werden und zu schwanken beginnen.

Das AG Leipzig hat deshalb die Schrittgeschwindigkeit in dem genannten Urteil bei 15 km/h angesetzt.

Maßstab: Durchschnittlicher Tacho

Schließlich wird vertreten, der Wert müsse so bemessen sein, dass ihn ein üblicher Tachometer zuverlässig anzeigen könne. Bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten wie den oben genannten 4 – 7 km/h ist das nicht möglich.
Einigkeit besteht aber insoweit, als der Wert nach Auffassung sämtlicher Gerichte unterhalb von 20 km/h anzusiedeln ist. Das wäre noch immer ein ziemlicher flinker Fußgänger …